Prof. Dr. Ludwig Deiters

Zurück zur Karte Zurück zur Liste

Portrait Prof. Dr. Ludwig Deiters, 1972. Fotograf: unbekannt, Quelle: IRS Erkner/Wissenschaftliche Sammlungen – Bestand B_2-0102-2

Ausgebildet u.a. bei Hans Scharoun an der TU Berlin und früh betraut mit wichtigen Gedenkstättenprojekten kam der Architekt Ludwig Deiters 1957 zur Denkmalpflege. Als langjähriger Generalkonservator der DDR vertrat er die Sache des Denkmalschutzes mit strategischer Diplomatie aber Nachdruck gegenüber den Partei- und Staatsorganen.

Die These seiner Doktorarbeit, dass für die räumliche Erlebbarkeit historischer Städte der Straßengrundriss und die Dimensionen der Bebauung auschlaggebend sind – und dies relativ unabhängig von der Substanzerhaltung – sollte in den Zeiten einer rigorosen Industrialisierung der Bauwirtschaft dazu beitragen, die strukturelle Kontinuität der Orte zu sichern. Dies bedeutete keine Geringschätzung der materiellen Überlieferung – auch wenn in Bernau angesichts des ökonomischen Drucks ein großer Teil der frühneuzeitlichen Fachwerkhäuser geopfert werden musste.
Der Rückhalt, den das von ihm geleitete zentrale Institut für Denkmalpflege den Fachleuten in den Bezirken gab, ist es zu verdanken, dass sie überhaupt in einem bestimmten Maß handlungsfähig blieben. In vielen Fällen konnte Deiters durch sein Einschreiten dazu beitragen, bedrohte Zeugnisse zu retten. Ein Beispiel ist das spätgotische Rostocker Tor in Ribnitz-Damgarten, dessen Abriss 1970 kurz bevorstand.

In einer Reihe von Vorträgen und Artikeln in der Zeitschrift „Architektur der DDR“ brachte er bereits in den 1960ern und 70ern die Argumentation für den Altstadterhalt voran, indem er den klassischen Ansatz der Erbepflege mit sozialräumlichen und ökonomischen Aspekten verknüpfte.

In seinen ICOMOS-Funktionen stärkte Deiters sowohl die Vernetzung und den fachlichen Anschluss seiner Institution als auch das internationale Ansehen der DDR-Denkmalpflege, was wiederum ihre Position im Land selbst festigte. 1988 erhielt er den Preis für Denkmalschutz (Schinkelring) der Bundesrepublik Deutschland. Nach seiner Pensionierung war Deiters noch fast drei Jahrzehnte denkmalpflegerisch aktiv.

Autor: Andreas Butter

Literatur:
Kurzbiografie zu: Deiters, Ludwig. In: Wer war wer in der DDR? 5. Ausgabe. Band 1. Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4. Jörg Haspel, Detlef Karg: Ludwig Deiters zum 90. Geburtstag. In: Die Denkmalpflege, Band 70, Heft 1, S. 83–85, Personalia.

Creative Commons Lizenzvertrag
Die Texte zu den jeweiligen Stadtwendepunkten sind ausgenommen der Abbildungen lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz.