Interessengemeinschaft Denkmalpflege

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Bei Kulturveranstaltungen in der Stadt kamen einige der Besucher*innen miteinander ins Gespräch, sie waren lose bekannt und der schlechte Zustand der Altstadt war schon häufig ein Thema gewesen. Um 1985 entwickelte sich aus diesem Umfeld ein lockerer Zusammenschluss, daran beteiligt waren unter anderem Architektinnen, ein Pfarrer, ein Kunsterzieher und ein Ingenieur. Als kommunale Stellen auf die Gruppe aufmerksam wurden, forderten sie die Mitglieder auf, sich in offizielle Strukturen, in diesem Fall den Kulturbund, zu integrieren; es entstand die Interessengemeinschaft (IG) Denkmalpflege.

Die Gruppe richtete ihren Fokus auf bauliche Zeugnisse, denen sie einen architektonischen Wert zuschrieb oder die sie als bedeutsam für die Geschichte der Stadt einschätzte. Ein ehemaliges Mitglied der Gruppe erinnert sich, dass es Anspruch der Interessengemeinschaft gewesen sei, „deutlich zu machen, daß auch desolate Baudenkmäler großen Wert haben können. Oft fehlten unseren Mitbürgern nur die entsprechenden Informationen.“[1] Fortan sammelte die IG Denkmalpflege Informationen zu einzelnen Objekten und zur Stadtgeschichte allgemein, sie diskutierte, schrieb Eingaben an kommunale Stellen und organisierte Veranstaltungen. Das alles geschah in enger Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis (AK) Stadtgeschichte, der ebenfalls beim Kulturbund angesiedelt war.

Stadtansicht, Ende der 1980er Jahre, im Hintergrund der Steintorturm. Untere Denkmalschutzbehörde Stadt Brandenburg an der Havel. Fotograf: Hans Hoffmann

Eines der wichtigsten Hilfsmittel der beiden Gruppen waren die gemeinsamen Stadtbegehungen: Bei diesen Sichtungen vor Ort erarbeiteten die Gruppen gemeinsam Wissen über die historische Bausubstanz in der Stadt. Bis zum Frühjahr 1988 fanden fünf solcher Begehungen statt. Darüber hinaus bemühten sich die Gruppen intensiv um einzelne Gebäude, beispielsweise um ein Hof- und Galeriegebäude auf dem Grundstück des Neustädtischen Markts 11 und um die Sicherung der in der Altstadt gelegenen Johanniskirche. Immer wieder versuchten die Gruppenmitglieder ihr erworbenes Wissen in die Stadtöffentlichkeit zu tragen: Es erschienen diverse Artikel im Brandenburger Kulturspiegel, bei den Havelfestspielen wurde eine Ausstellung mit historischen Stadtplänen gezeigt und im Steintorturm historische Stadtansichten ausgestellt.

Durch das Engagement der Interessengemeinschaft Denkmalpflege und des Arbeitskreises Stadtgeschichte konnte Wissen über die alte Stadt erarbeitet und anderen Brandenburger*innen zugänglich gemacht werden. Auch zur Erhaltung der Johanniskirche trugen die beiden Gruppen maßgeblich bei.

Autorin: Julia Wigger

Quellennachweise

StABRB 26, Nr. 7

Literatur:

Bodenschatz, Harald/Carsten Seifert (Hg.) (1992): Stadtbaukunst. Brandenburg an der Havel vom Mittelalter bis zur Gegenwart, Berlin.

Cante, Markus (Hg.) (2017): Johanniskirche Brandenburg an der Havel. Erforschung – Sicherung – Restaurierung (Arbeitshefte des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseums, Nr. 43), Worms.

[1] Schwarz, Wolfgang (1992): Ehrenamtliche Denkmalpflege in Brandenburg – Rückblick und Ausblick, in: Bodenschatz, Harald/Carsten Seifert (Hg.): Stadtbaukunst. Brandenburg an der Havel vom Mittelalter bis zur Gegenwart, Berlin, hier S. 337.

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