Sankt Johanniskirche

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Die in der Altstadt gelegene Sankt Johanniskirche ist heute ein lebendiger Veranstaltungsort für Ausstellungen, Konzerte und sonntägliche Gottesdienste. Die Zukunft des Gebäudes war jedoch nach einer schweren Beschädigung im Zweiten Weltkrieg lange Zeit ungewiss.

Brandenburg an der Havel entwickelte sich nach der Gründung der DDR zum Zentrum der stahlerzeugenden und -verarbeitenden Industrie. Ende der 1960er Jahre gab es große Pläne, der Stadt einen neuen, repräsentativen Stadtkern zu verleihen. Die historisch gewachsene Dreiteilung der Stadt – in Altstadt, Neustadt und Dominsel – sollte überwunden und ein einheitliches Zentrum rund um die Jahrtausendbrücke geschaffen werden. Diese ambitionierten Pläne beinhalteten eine fast vollständige Umgestaltung des Uferbereiches, wofür neben anderen Gebäuden auch die Johanniskirche weichen sollte.
Die ehemalige Franziskanerkirche gehört zu den jüngeren Kirchenbauten der Stadt. Sie entstand zwischen 1250 und 1270 als schlichte Saalkirche aus Backstein und erfuhr in den folgenden Jahrhunderten mehrfach bauliche Veränderungen und wechselnde Nutzer. Am 31. März 1945 trafen US-amerikanische Luftangriffe auch die Johanniskirche; die Westwand des Hauptschiffes wurde eingedrückt. Trotzdem nutzte die ansässige reformiert-evangelische Gemeinde nach Kriegsende Teile des Gebäudes weiter: im nördlichen Anbau fanden nach Reparaturarbeiten erneut Gottesdienste statt, das Hauptschiff blieb als Ruine bestehen, aber ungenutzt.
Die ehrgeizigen Umgestaltungspläne für das historische Stadtzentrum blieben Makulatur und die Johanniskirche bestehen. Die Planungen überstiegen die volkswirtschaftlichen Möglichkeiten und mussten 1971 dem Wohnungsbauprogramm Vorrang lassen. Doch damit war die Johanniskirche noch nicht gerettet. Die reformierte Gemeinde konnte dringend notwendige Reparaturen nicht finanzieren. Im August 1986 stürzte das gesamte Dach ein, nachdem die Kirche bereits 1984 wegen Sicherheitsbedenken gesperrt worden war.

Blick über das Salzhofufer auf die Johanniskirche Ende der 1980er Jahre. Untere Denkmalschutzbehörde Stadt Brandenburg an der Havel, Fotograf: Hans Hoffmann.

Die Interessengemeinschaft Denkmalpflege und der Arbeitskreis Stadtgeschichte, beide waren unter dem Dach des Kulturbundes organisiert, setzten sich gemeinsam mit der Kirchengemeinde für die Erhaltung der Ruine der Johanniskirche ein. Die Verantwortlichen beim Rat der Stadt einigten sich mit dem Institut für Denkmalpflege auf ein Maßnahmenkonzept, das einen Abbruch von Teilen des Hauptschiffes vorsah. Auch hiergegen sprachen sich die beiden Gruppen aus und forderten „die Sicherung und Erhaltung der gesamten Ruine der Johanniskirche“ [1]. Sie unterbreiteten Vorschläge für eine weitere Nutzung als Havelschifffahrtsmuseum oder Konzerthalle. Nach weiteren Beratungen zwischen dem Rat der Stadt, dem Institut für Denkmalpflege und der Kirchengemeinde wiederholte die Kirchengemeinde ihr Angebot, der Stadt die Rechtsträgerschaft für das Gebäude zu übergeben. Allerdings wurde dieses Vorhaben von den Ereignissen im Herbst 1989 überholt.

Das fehlende Dach der Johanniskirche fällt beim Blick aus dem Westen besonders auf, hier Ende der 1980er Jahre. Untere Denkmalschutzbehörde Stadt Brandenburg an der Havel, Fotograf: Hans Hoffmann.

Anfang der 1990er wurde die Kirche zunächst gesichert und mit einem Notdach versehen, trotzdem kam es zu einer Verschlechterung des baulichen Zustands. Der Kirchengemeinde fehlten immer noch die finanziellen Mittel für eine umfassende Sanierung, so dass der Verkauf an einen privaten Investor diskutiert und beschlossen wurde. Nachdem die Verhandlungen mit dem Investor scheiterten, verkaufte die Gemeinde das Gebäude 2003 an die Stadt. Im Vorfeld der Bundesgartenschau 2015 wurde die Kirchenruine, zum Großteil finanziert aus dem Förderprogramm „Städtebaulicher Denkmalschutz“, saniert und zu einem Veranstaltungsort umgebaut. Bei der 2015 stattfindenden Bundesgartenschau war sie Schauplatz für verschiedene Blumenausstellungen. Seit 2016 finden sonntags wieder Gottesdienste in der Kirche statt.

Die Johanniskirche als wiederbelebter Veranstaltungsort. Foto: Julia Wigger, 2019, CC BY-SA 4.0

 

Autorin: Julia Wigger

Literatur:

[1] Cante, Markus (2017): Johanniskirche Brandenburg an der Havel. Erforschung – Sicherung – Restaurierung (= Arbeitshefte des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseums. Nr. 43), Worms.

Witt, Kathrin (2017) : St. Johannis. Von der Klostergründung zur Blumenhalle der BUGA 2015 Havelregion – Eine bewegte Vorgeschichte, in: Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpege und Archäologisches Landesmuseum (Hg.): Johanniskirche Brandenburg an der Havel. Erforschung – Sicherung – Restaurierung (Arbeitshefte des Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpege und Archäologisches Landesmuseum; Nr. 43), Worms, S. 15-30.

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