Prof. Dr. Bernhard Klemm

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Bernhard Klemm war ein Architekt und Professor an der TU Dresden, der maßgeblich half, die städtebauliche Denkmalpflege in der DDR  zu etablieren.

Welche langfristige Perspektive können wir unseren Städten geben? Für viele Planer*innen der DDR schien die Sache klar: Der Verfall der Bauten würde den Abriss der Altbauquartiere und ihre Neubebauung unausweichlich machen. Hinzu kam der „moralische Verschleiß“ – ein Zurückbleiben hinter den steigenden Erwartungen an den Wohnkomfort und eine „sozialistische Lebensweise“. Hell, egalitär, verkehrsgerecht und großräumig organisiert, so sollte die Zukunft aussehen.

Es ist das Verdienst Bernhard Klemms, diese Logik früh in Frage gestellt zu haben – im Jahr 1960, gerade als das industrielle Bauen Fahrt aufnahm. Klemm war in der Ausbildung von der „Stuttgarter Schule“ geprägt worden und hatte im Büro von Hans Freese an der Speer-Planung Berlins mitgewirkt, war allerdings kein konservativer Dogmatiker. Er schätzte nicht nur den kulturellen Wert von städtebaulichen Bereichen, die vom Mittelalter und der Frühen Neuzeit geprägt waren, sondern erkannte auch das Potential von Gründerzeitvierteln. Am bekanntesten ist sein praktisches Wirken in Görlitz und der Dresdner Neustadt (Bild 1). Damit wurde er in den 1960er Jahren zum Protagonisten einer systematischen Erfassung und behutsamen Sanierung von Altstadtbereichen. Sein Wirken fußte auf dem Respekt vor dem historischen Erscheinungsbild doch zugleich förderte er moderne Ansätze der Entkernung innerer Blockbereiche und die Aufnahme industrieller Arbeitsmethoden.

Indem er das pauschalisierte Argument einer kurzen Restnutzungsdauer bauphysikalisch und ökonomisch entkräftete, trug er wesentlich zur Akzeptanz der Modernisierung im Bestand bei. Als Hochschullehrer prägte er viele Architekt*innen, die in den späteren Jahren an der Erhaltung der Altbaubestände mitwirkten, wie beispielsweise Klaus Pöschk in Berlin.

Bild 1: Rekonstruktionsgebiet Innere Neustadt Dresden vor der Sanierung und Entkernung, 1961, Klemm 1966, S. 494.

Autor: Dr. Andreas Butter

Werke

Klemm, Bernhard (1958): Städtebaulich-denkmalpflegerische Untersuchungen in Görlitz: Ein Beitrag zur Sanierung von Altstädten, in: Wissenschaftliche Zeitschrift der Technischen Hochschule Dresden, 7/5, S. 933-948; 7/6, S. 1111-1124.

Klemm, Bernhard (1960): Die Altstadt als Teil der Großstadt. Kwartalnik Architektury i Urbanistyki. Teoria i Historia, 5/1-2, S. 233-238.

Klemm, Bernhard (1960): Einige Probleme bei der Rekonstruktion des historischen Altstadtkernes von Görlitz, in: H. Räder/F. Kühnlenz/W. Berg (Hg.), Zur Rekonstruktion der Stadtzentren. 1. Kolloquium für Städtebau an der Hochschule für Architektur und Bauwesen Weimar, Weimar, S. 52-62.

Klemm, Bernhard (1962): Die Sanierung des Görlitzer Peterskirchviertels. Beitrag zur Rekonstruktion von Altstädten, Dissertation an der TU Dresden.

Klemm, Bernhard (1962): Bestand und Erneuerung der historischen Altstadt von Görlitz: Beitrag zur Sanierung von Altstädten, in: Wissenschaftliche Zeitschrift der Technischen Hochschule Dresden, 11/5, S. 913-940.

Klemm, Bernhard (1966): Werterhaltung im Wohnungsbau, in: Wissenschaftliche Zeitschrift der Technischen Universität Dresden, 15/3, S. 491-497.

Klemm, Bernhard (1969): Projekt für die städtebauliche Sanierung eines Arbeiterwohnviertels der Gründerzeit in Dresden, in: Wissenschaftliche Zeitschrift der Technischen Hochschule Dresden, 18/1, S. 101-109.

Klemm, Bernhard (1973): Die Existenz des Gebäudes als funktioneller und technologischer Prozess, in: Deutsche Architektur, 22/3, S. 670-672.

Klemm, Bernhard (1978): Das Postgradualstudium Erhaltung und Rekonstruktion bei Hochbauten, in: K-H. Lander (Hg.), 2. Internationales Kolloquium ‚Theoretische und methodische Fragen der Lehre im Fach Theorie und Geschichte der Architektur: Praktische baugeschichtliche Arbeiten in der Architektenausbildung‘. Technische Universität Dresden, Sektion Architektur, Dresden vom 11. bis 13. April 1978, Dresden, S. 30-31.

Klemm, Bernhard (1989): Die innere Neustadt von Dresden — ihr Entstehen, ihre Zerstörung und ihr Wiederaufbau, in: A. von Polenz/G. von Seydewitz (Hg.), 900-Jahr-Feier des Feier des Hauses Wettin, Bamberg, S. 203-207.

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