Nach aktuellen Recherchen kämpften in der DDR mindestens 199 Bürgerinitiativen in 39 Städten gegen den Verfall der Altstädte und für die Rettung von historischen Baudenkmalen. Hiervon waren etwa 40 Initiativen bereits vor dem 9. November 1989, also noch vor dem Mauerfall, aktiv. Im Projekt soll analysiert werden, wie sich diese Initiativen zusammensetzten, was ihre Ziele waren und welche raumbezogenen Denkwelten die Stadtbewohner*innen motivierte, sich in einer solchen, in der DDR eigentlich verbotenen, Bürgerinitiative zu engagieren. Damit rücken auch die Organisationsformen der Gruppen in den Fokus: Welche gesellschaftlichen Träger nutzten sie, um sich zusammenzuschließen und einer Kriminalisierung zu entgehen? Welche Netzwerke entstanden neu und welche bestehenden Netzwerke der Umwelt- und Friedensgruppen wurden für die Kommunikation genutzt? Im diesem Zusammenhang sollen auch bedeutende Schlüsselakteure vorgestellt und die Erfolge, aber auch die Niederlagen, der Gruppen herausgearbeitet werden. Besonders spannend ist darüber hinaus die Frage nach der Politisierung innerhalb der Gruppen: Waren die Akteure hauptsächlich an der Erhaltung historischer Gebäude interessiert oder forderten sie mehr Mitspracherechte in der Stadtplanung sowie an politischen Entscheidungen allgemein und kritisierten somit das staatliche Vorgehen? Diese Punkte münden in die Beantwortung der Frage, welchen Beitrag diese Bürgerinitiativen gegen den Altstadtverfall zum Erfolg der friedlichen Revolution von 1989 lieferten.